Zweites Bürokratieentlastungsgesetz beschlossen

Das im Juli 2015 in Kraft getretene Bürokratieentlastungsgesetz, das es sich zum Ziel gesetzt hat, kleine Unternehmen in der Verwaltung zu entlasten, wurde nun nachgebessert. Ein generelles Inkrafttreten der Änderungen zum 1. Januar 2017 ist nicht mehr realisierbar, rückwirkend ist dies jedoch für die Änderungen der Abgabenordnung (AO), des Einkommensteuergesetzes (EStG) und des Umsatzsteuergesetzes (UStG) bzw. der Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung (UstDV) möglich. Alle weiteren Änderungen treten nach Verkündung des Gesetzes in Kraft. Die für die Praxis wesentlichen Änderungen stellen wir Ihnen im Folgenden vor:
 
Aufbewahrungsfrist von Lieferscheinen
Nach erstem Zögern erhielt die verkürzte Aufbewahrungsfrist von Lieferscheinen letztendlich doch die Zustimmung des Bundesrats. Neuerdings müssen Lieferscheine nicht länger aufbewahrt werden, die Frist endet mit Versand oder auf anderer Seite dem Erhalt der Rechnung.Nur wenn Lieferscheine als Buchungsbelege genutzt werden, müssen diese nach § 147 Abs. 3 Sätze 3 und 4 AO weiterhin zehn Jahre lang aufbewahrt werden. 
 

Lohnsteuer-Anmeldungen und Lohnsteuerpauschalierung
Zur Entlastung von Arbeitgebern sowie der Finanzverwaltung wird die Spanne der abzuführenden Lohnsteuer, deren Anmeldung quartalsweise abzugeben ist, erweitert. Die Spanne umfasst nun nach § 41a Abs. 2 Satz 2 1. HS EStG Lohnsteuerbeträge von mehr als 1.080 EUR bis 5.000 EUR. Zusätzlich wurde auch die Pauschalierungsgrenze für kurzfristig Beschäftigte an die Erhöhung des Mindestlohns angepasst; der durchschnittliche Tageslohn beträgt nun 72 EUR.
 

Schwellenwert für Kleinbetragsrechnungen
Die Anpassung mit der wohl größten Bedeutung für die Praxis ist die Erhöhung des Schwellenwerts für Kleinstbetragsrechnungen auf 250 EUR (§ 33 UStDV). Im Handel mit Waren des täglichen Bedarfs können so kleine, häufig vorkommende Barumsätze einfacher abgerechnet werden. 
 

Fälligkeitsregelung für Sozialversicherungsbeiträge
Das bereits jetzt in der Entgeltabrechnung programmierte „vereinfachte Verfahren“ wird ab diesem Jahr von weitaus mehr Unternehmen genutzt werden können. Es sieht vor, dass Sozialversicherungsbeiträge, deren Höhe für den laufenden Monat noch nicht bekannt sind, über den Wert des Vormonats vorkalkuliert werden können. Die bisherige Schätzung der Werte nach § 23 Abs. 1 Satz 2 ff. SGB IV entfällt hierbei. Abweichungen, die sich durch diese vereinfachte Lösung ergeben, müssen jedoch im Folgemonat ausgeglichen werden. Bis zum Jahresbeginn 2018 sollen zudem alle Einzelheiten der elektronischen Datenübertragung für die Abrechnung der Pflegeversicherung geklärt werden. Die beleglose Übermittlung aller für die Abrechnung relevanten Daten auf sicherem Wege (z. B. durch Signatur durch den elektronischen Identitäsnachweis im Personalausweis) ist hierbei die Zielsetzung.
 
 
Aufzeichnungspflichten für Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG)
Vereinfacht werden ebenfalls die Aufzeichnungspflichten für sofort abgeschriebene Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG). Für Wirtschaftsgüter, die nach dem 31. Dezember 2017 angeschafft, hergestellt oder in ein Betriebsvermögen eingelegt werden, sind Aufzeichnungen nur dann Pflicht, wenn der Wert des Wirtschaftsguts den Betrag von 250 EUR übersteigt (§ 52 Abs. 12 Satz 3 EStG). 
 
Quelle: http://www.goo.gl/VtSLfG (Google-Shortlink)